Almost Alive

Hyperrealistische Skulptur in der Kunst

21.07.2018 - 21.10.2018

Der Wunsch, ein möglichst realistisches Abbild des Menschen zu schaffen, ist so alt wie die Menschheit selbst und reicht bis in die Antike zurück. So haben Künstler im Verlauf der gesamten Kulturgeschichte Techniken entwickelt, um den menschlichen Körper so realistisch wie möglich abzubilden. Während illusionistische Skulpturen früherer Jahrhunderte noch als Symbolfiguren auf religiöse, aristokratische und historische Inhalte verweisen, kommt seit Mitte des 20. Jahrhunderts der Mensch und seine Individualität in den Blick.

 

Die nordamerikanischen Künstler George Segal, Duane Hanson oder John DeAndrea wendeten sich in den 1960er Jahren erneut der realistischen Darstellung des menschlichen Körpers zu. Sie schufen hyperrealistische Skulpturen, die bis heute nachfolgende Bildhauergenerationen inspirieren.

Die Ausstellung ALMOST ALIVE gibt einen Überblick der hyperrealistischen Bewegung der letzten 50 Jahre. Mit Exponaten aus der ganzen Welt zeichnet die Kunsthalle Tübingen in Kooperation mit dem Institut für Kulturaustausch diese Kunstrichtung nicht nur von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart nach, sondern führt vor allem auch vor Augen, dass die Darstellungen der menschlichen Körperlichkeit stets vom jeweiligen Zeitgeist beeinflusst wurden und rückblickend als Spiegel zeitgebundener Körperkonzepte gelesen werden können.

Während die Pioniere der hyperrealistischen Kunst in den 1960er Jahren den Körper als Produkt der Massengesellschaft vornehmlich als politisch-sozialen Körper in den Blick nahmen, tritt mit der Postmoderne in den 1980er Jahren der Körper als mentaler und emotionaler Resonanzraum in den Fokus. Künstler wie Marc Sijan, Sam Jinks oder Ron Mueck spiegeln in ihren veristischen Skulpturen den Gegenwartsmenschen in seelischen Ausnahmezuständen und intimen existentiellen Momenten.

Als Gegenbewegung zu den in den Medien massenhaft verbreiteten Bildern perfekt gestylter Körper thematisieren Gegenwartskünstlerinnen und -künstler heute verstärkt auch tabuisierte und ausgegrenzte Aspekte von Leiblichkeit. Werke von Evan Penny, Tony Matelli oder Patricia Piccinini führen darüber hinaus auf verstörende Art und Weise vor Augen, dass die Grenzen zwischen dem menschlichen Körper und der Technik mittlerweile fließend sind und der Mensch im posthumanen Zeitalter in seiner jetzigen Gestalt selbst manipulierbar geworden ist.

Die Ausstellung zielt nicht zuletzt darauf, uns unsere eigene Wahrnehmung und die Fragilität unseres Körpers bewusst zu machen.

 

Kuratoren:

Dr. Nicole Fritz in Kooperation mit Dr. Otto Letze, Institut für Kulturaustausch Tübingen

 

Beteiligte Künstler:

Zharko Basheski, Berlinde De Bruyckere, Maurizio Cattelan, Brian Booth Craig, John Davies, John DeAndrea, Keith Edmier, Carole A. Feuerman, Daniel Firman, Robert Gober, Robert Graham, Duane Hanson, Mathilde ter Heijne, Sam Jinks, Peter Land, Marie-Eve Levasseur, Tony Matelli, Juan Muñoz, Ron Mueck, Evan Penny, Patricia Piccinini, Jamie Salmon, Gregor Schneider, George Segal, Marc Sijan, Xavier Veilhan

 

Hauptleihgeber:

D.Daskalopoulos Collection, Griechenland
Fundació Sorigué, Spanien
The George and Helen Segal Foundation and Carroll Janis, USA
Sullivan & Strumpf, Australien
National Galleries of Scotland, Großbritannien
Gagosian Gallery, USA
Galerie Perrotin, Frankreich