Annett Zinsmeister: Inside_Out 2021 
Installation Kunsthalle Tübingen
© Annett Zinsmeister, VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Foto: Ulrich Metz
Annett Zinsmeister: Inside_Out 2021 Installation Kunsthalle Tübingen © Annett Zinsmeister, VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Foto: Ulrich Metz

Annett Zinsmeister

Im Rahmen ihrer AUSSER HAUS-Projekte lädt die Kunsthalle Tübingen in loser Folge Künstlerinnen und Künstler ein, auf den öffentlichen Raum in Tübingen zu reagieren. Als zweites Projekt in der Reihe ist die Berliner Künstlerin Annett Zinsmeister der Einladung der Kunsthalle Tübingen gefolgt und AUSSER HAUS gegangen. Entstanden ist die spektakuläre Fassadenarbeit INSIDE_OUT. Diese reagiert auf die Hochhaus-Architektur aus den 1960er Jahren gegenüber der Kunsthalle und macht diese zu einem echten `Hingucker´.

Zinsmeister ist für ihre aufsehenerregenden räumlichen Interventionen bekannt, bei denen sie Strukturen aus dem Außenraum, wie beispielsweise die Fassadenmodule eines Plattenbaus, in Innenräume hineinprojiziert und damit neue, überraschend-irreale Raumerlebnisse kreiert. Mit ihrer neuen Arbeit INSIDE_OUT verfährt sie genau umgekehrt und holt das Rauminnere des markanten Wohnhochhauses vis-à-vis der Kunsthalle nach außen. Mit drei monumentalen Visuals für die Außenfassade des Wohnblocks macht sie die außergewöhnliche achteckig geformte Architektur aus den 1960er Jahren aus einer neuen und ungewöhnlichen Perspektive sichtbar und erlebbar: inside_out.

Annett Zinsmeister beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit umfassend mit dem Thema Raum: mit der Stadt und dem öffentlichen Raum, mit der Architektur und dem privaten Raum, mit digitalen Medien und dem virtuellen Raum. Sie fragt nach den Grenzen dieser Räume, nach deren Konstruktion und Kulturgeschichte, nach deren Erscheinung und Darstellung und unserer Wahrnehmung von Raum, die sie mit ihren großformatigen Installationen immer wieder aufs Neue auf die Probe stellt.

Wie gehen wir um mit unseren Räumen, dem Innen und Aussen, mit Privatheit und Öffentlichkeit insbesondere in Zeiten der Pandemie, die ein neues Schlaglicht auf die Arbeiten der Künstlerin wirft. Ihre Fassadenarbeit kann auch als eine Metapher für die durch Corona ausgelösten gesellschaftlichen Transformationen gelesen werden. Indem Annett Zinsmeister im wahrsten Sinne des Wortes das Innere nach Außen stülpt und für das bislang Unsichtbare sensibilisiert, regt ihre Installation nicht zuletzt zum Nachdenken an: über das Verhältnis von Mensch und Umwelt, über Raum zwischen Realität und Fiktion, analog und digital, zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit.

 

Kuratorin: Dr. Nicole Fritz