Almost Alive

Hyperrealistische Skulptur in der Kunst

21.07.2018 - 21.10.2018

Der Wunsch, ein möglichst realistisches Abbild des Menschen zu schaffen, ist so alt wie die Menschheit selbst und reicht bis in die Antike zurück. So haben Künstler im Verlauf der gesamten Kulturgeschichte Techniken entwickelt, um den menschlichen Körper so realistisch wie möglich abzubilden. Während illusionistische Skulpturen früherer Jahrhunderte noch als Symbolfiguren auf religiöse, aristokratische und historische Inhalte verweisen, kommt seit Mitte des 20. Jahrhunderts der Mensch und seine Individualität in den Blick.

 

In den 1960er Jahren wenden sich Duane Hanson, John De Andrea und George Segal in den USA mit der Ausweitung der Kunst auf die Wirklichkeit erneut der realistischen Darstellung des menschlichen Körpers zu. Durch den Einsatz traditioneller Techniken, wie dem Modellieren, Gießen und Bemalen schufen sie hyperrealistische Skulpturen und erneuerten damit die realistische Tradition der Skulptur, die lange als überholt galt. Dieser figurative Impuls inspirierte nachfolgende Bildhauergenerationen, die die hyperrealistische Bildsprache der Pioniere bis heute auf zeitgemäße Art und Weise fortsetzen.

Almost Alive gibt einen Überblick der hyperrealistischen Bewegung der letzten 50 Jahre und ist damit die erste Ausstellung weltweit zur Entwicklung dieser Skulpturengattung im 20. und 21. Jahrhundert. Mit über 30 Exponaten zeichnet sie diese Kunstrichtung nicht nur von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart nach, sondern führt vor allem auch vor Augen, dass die Darstellungen der menschlichen Körperlichkeit stets vom jeweiligen Zeitgeist beeinflusst wurden und rückblickend als Spiegel zeitgebundener Körperkonzepte gelesen werden können.

Für die Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen werden hyperrealistische Skulpturen aus der ganzen Welt versammelt (USA, Kanada, Australien, Schottland, Italien, Spanien, Belgien u.a.) und chronologisch inszeniert: Angefangen von den Pionieren der Bewegung aus den USA und Großbritannien führt der Parcours über Robert Gober, Berlinde de Bruyckere oder Maurizio Cattelan, die in den 1990er Jahren unter Eindruck der Digitalisierung den Körper in Form hyperrealistischer Skulpturen auf neue und individuelle Art und Weise als Sitz des Ichs aktualisieren bis hin zu jüngeren Positionen wie Marie-Eve Levasseur, die den Einfluss der Technik auf den menschlichen Körper thematisieren.

Die versammelten Skulpturen faszinieren nicht nur in ihrem veristischen Realitätsgehalt und ihrer handwerklichen Präzision. Sie zielen nicht zuletzt auf den Betrachter, um uns unsere voyeuristischen mediengesteuertes Rezeptionsverhalten und die Verletzlichkeit und Fragilität des eigenen Körpers bewusst zu machen.

Kuratoren

Dr. Nicole Fritz in Kooperation mit Dr. Otto Letze, Institut für Kulturaustausch Tübingen

Beteiligte Künstlerinnen und Künstler

Berlinde de Bruyckere, Maurizio Cattelan, John Davies, John DeAndrea, Keith Edmier, Robert Gober, Robert Graham, Duane Hanson, Peter Land, Marie-Eve Levasseur, Juan Muñoz, Ron Mueck, Patricia Piccinini, George Segal u.a.

Hauptleihgeber

D.Daskalopoulos Collection, Athens/Luxemburg

Fundació Sorigué, Lleida – Spain

Maurizio Cattelan Archive, Turin – Italien

The George and Helen Segal Foundation and Carroll Janis, New York

SULLIVAN+STRUMPF, Zetland – Australia

Haus der Geschichte, Bonn

National Gallery of Scotland, Edinburgh